PRIMITIVE REFLEXE
oder
FRÜHKINDLICHE REFLEXE
entstehen schon im Mutterleib, ab der 5.echten Schwangerschaftswoche. Sie bahnen erste Bewegungen, trainieren so das Zusammenspiel von Bewegungsapparat und Nervensystem und sichern das Überleben.
Gewissermaßen in einem Kreislauf oder einem Frage-Antwort-Spiel entwickelt sich das Sinnessystem und das Gehirn. Reize lassen das Gehirn und das Nervensystem sich weiterentwickeln und das weiterentwickelte Nervensystem verfeinert wiederum das Sinnessystem und so weiter.
So lässt sich auch verstehen, warum das Gehirn unbedingt den input braucht, um zu reifen. Warum das Kind Bewegung braucht, warum es entdecken, spüren, sehen, kosten muss.
Das Gehirn ist sozusagen ein sich selbst entwickelndes System, nur das Futter für das Gehirn: sensorische Reize aus allen Sinneskanälen, muss vorhanden sein. Die Sinneskanäle sind nicht nur Sehen und Hören, sondern auch Tasten und Spüren, sich selbst und die Umgebung spüren in der Bewegung, den Gleichgewichtssinn erproben und in Einklang bringen mit den anderen Sinnen.
Die Frühkindlichen Reflexe sind, einfach ausgedrückt, die erste Form von Bewegung, auch um "das Gehirn zu füttern". Sie leisten aber noch mehr: Mithilfe bei der Geburt, Training der Muskeln, Überleben (z.B. der Saugreflex).
Aber nach einigen Monaten sollen sie von gesteuerter Bewegung abgelöst werden. Das Baby möchte den Gegenstand zum Mund bringen und untersuchen und nicht bei Kopfdrehung den Arm ausstrecken, wie es der Asymmetrisch-Tonische-Nackenreflex (ATNR) von ihm verlangen würde.
Bleibt ein oder mehrere Reflexe bestehen (persistieren), dann wirken sie, bildlich gesprochen, wie ein Gummiband, das dem Kind die Bewegung vorschreibt. Deshalb bewegen sich manche Kinder nicht wie andere, oder lassen Entwicklungsschritte aus. Deshalb kostet es diese Kinder soviel Mühe, manche Dinge zu tun.
Mehr über einzelne Frühkindliche Reflexe und ihr Zusammenhang mit Entwicklungsstörungen oder Verhaltensauffälligkeiten lesen sie auf den folgenden Seiten.