Vortrag 2006
Flügel und Wurzeln
Flügel und Wurzeln, das ist ein schönes Bild, eigentlich ein Gegensatz, nicht wahr?
Wer im Boden verwurzelt ist, kann nicht wegfliegen.
wer Flügel hat, ist nicht fest mit dem Boden verbunden.
Doch bevor der kleine Vogel davonfliegt, hatte er sein Nest, seine Eltern und seine Geschwister, die Sonne, die ihn gewärmt hat, die Luft zum Atmen und den Wind, der seine Federn zerzaust hat.
Das sind seine Wurzeln, die er zwar verlässt aber zu denen auch er zurückkehrt, wenn er selbst ein Nest baut und Junge füttert.
Mit diesem Bild wir deutlich, wir brauchen Wurzeln um Flügel zu bekommen. Wurzeln sind die Basis für Loslösen, Loslassen, Neues entdecken, Herausforderungen annehmen.
Deshalb will ich mich zuerst den Wurzeln zuwenden:
Wurzeln geben uns Halt. Sie halten uns im Leben fest. Im Alltag, in den Pflichten.
Sie sind Lebensziel und Aufgabe. Der Rahmen für das Leben. So dass wir nicht haltlos werden.
Aber noch mehr: Wurzeln sind das Bild für die Lebensquelle.
Sie geben Geborgenheit und Sicherheit.
Sie geben uns die Möglichkeit, uns auf unsere Wurzeln zu besinnen, wenn wir Kraft brauchen.
Was gibt Ihnen Halt oder Kraft?
Gibt es etwas wohin Sie sich zurückziehen können, wenn sie auftanken müssen?
Gibt es etwas, was Ihnen immer wieder Freude gibt?
Vielleicht können Sie sich mit Ihren Tischnachbarinnen kurz austauschen.
Vielleicht ist es sogar so, dass Sie sagen müssen, da ist nicht viel, was mir Halt gibt.
Mein zuhause war nicht so gut und jetzt fühle ich mich oft alleine. Oder ich habe kein Hobby zum auftanken…..
Liebe Zuhörerinnen, Sie haben nun sicher eine oder mehrere Wurzeln Ihres Lebens festgestellt. Vielleicht fühlen Sie sich auch eher wurzellos oder entwurzelt oder auch beflügelt, flügelleicht ….
Wer fühlt eine Wurzel? Zwei Wurzeln? Mehrere Wurzeln?
Wer fühlt eher keine Wurzel?
Wie wir vorher im Gespräch festgestellt haben gibt es nicht DIE Wurzel oder DEN Lebenshalt, sondern wie ein Baum ruht unser Leben auf mehreren Wurzeln.
Deshalb nacheinander:
Grundlagen für ein gelingendes, geborgenes Leben beginnen nicht im Schulalter oder Kleinkindalter sondern werden in den ersten echten Lebenswochen angelegt.
Die erste Wurzel, die das Ungeborene erfährt ist Liebe.
Zuallererst schon das liebevolle Erwarten der Eltern, die die Eltern dazu bringt, alle vermeidbaren Gifte aus ihrem Leben zu streichen, wenn sie ein Kind bekommen wollen. So schaffen sie eine Voraussetzung für eine gute Entwicklung.
Das ungeborene Kind 12mm groß, 6 Wochen alt, besitzt schon differenzierte Gehirnanlagen. Es spürt Berührungen und reagiert reflexhaft darauf.
Das Zentrum für Gefühle ist schon gebildet. Das heißt, das winzige Kind, ein paar Millimeter groß nimmt Gefühle wahr. Die Gefühle der Mutter, Liebe, Freude, Angst, Schreck, Ablehnung. Das winzige Persönchen nimmt anfangs natürlich noch wenig wahr, und dann wird es immer mehr.
Man muss sich einmal versuchen vorzustellen:
Die Bildung der Nervenfasern beginnt 3 Wochen nach der Befruchtung und ist nach 18 Wochen weitgehend abgeschlossen. Später werden noch Hüllmassen und die Nervenverbindungen gebildet. Die Nervenneubildung läuft in einem atemberaubenden Tempo ab: 250 000 bis 500 000 neue Nervenfasern werden - pro Minute - gebildet (Eliot, Lise : Was geht da drinnen vor? Berlin Verlag, Berlin 3.Aufl. 2003).
Die Bildung von Nervenfasern ist auch abhängig von den Einflüssen, die auf das Kind zuströmen. Also die Sinneseindrücke helfen, die richtigen Nervenbahnen zu bilden.
Deshalb spürt und verarbeitet auch schon das Ungeboren Gefühle, was wiederum sein Gefühlszentrum im Gehirn wachsen lässt.
Und es gibt noch eine Person, die dem Ungeborenen Gefühle entgegenbringt. Glauben wir nicht an Gott den Schöpfer?
Wir lesen im Buch der Psalmen Psalm 139:
Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.
Denn du hast meine Nieren bereitet und mich gebildet im Mutterleibe.
Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin, wunderbar sind deine Werke.
Deine Augen sahen mich als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen noch keiner da war.
Wir wissen aus vielen Stellen in der Heiligen Schrift, dass Gott die Liebe IST.
So kann das kleine Wesen, 6 Wochen alt oder nach Schwangerschaftsberechnung 8 Wochen alt, das sich schon bewegen kann und dessen Herz schon seit 2 Wochen schlägt, seinen Vater im Himmel wahrnehmen.
Er hat es lieb, seine Augen schauen auf es und es hat die Möglichkeit und die Fähigkeit, Gefühle aufzunehmen.
Wird es einem da nicht ganz warm ums Herz?
Wer selber Kinder hat, das sind die meisten von Ihnen, kennt das Engelslächeln der Babys, wenn sie plötzlich, scheinbar ohne Grund so wundervoll lächeln. Man sagt, sie sehen die Engel oder sehen sie ihren Vater im Himmel?
Was das ungeborene Baby intensiv begleitet, ist die Gefühlswelt der Mutter. Freude, Liebe, Angst, Schreckerlebnisse, Ablehnung graben sich in das Gefühlegedächtnis des Gehirns ein. Das Gehirnareal, in dem die Gefühle angesiedelt sind heißt das limbische System. Ein Teil davon ist der Mandelkern, die Amygdala. Dort sind die tiefsten Gefühle gespeichert. Diese Gefühle graben sich sozusagen Bahnen durch die Amygdala und können nicht gelöscht werden.
Das bedeutet tiefste positive Gefühle, wie Geborgenheit, Liebe sind dort verankert und können dem Menschen nicht genommen werden. Er kann darauf zurückgreifen und in Situationen, die ihn daran erinnern, fühlt er sie wieder.
Haben Sie das auch schon erlebt, Sie riechen etwas und schon sehen sie eine bestimmte Situation vor sich und fühlen wieder, was Sie damals gefühlt haben.
Andersherum tiefste negative Gefühle graben sich dort ebenfalls ein, so dass in einem von der Empfängnis an abgelehnten Menschen oder in einem missbrauchten Kleinkind immer eine bittere Wurzel bestehen bleibt.
Das heißt, genauso, wie Sie und ich plötzlich Freude empfinden, wenn wir etwas wieder sehen, riechen oder hören, was uns an ein freudiges Erlebnis erinnert, so erlebt das missbrauchte Kind tiefen Schmerz, oft vergraben unter einem plötzlichen "Abschalten" oder "In-sich-gekehrtsein" , wenn es an seine schrecklichen Erlebnisse erinnert wird. Diese tiefsten Erlebnisse sind im Gehirn fest gespeichert und das Bewusstsein hat keine Kontrolle darüber. Und weil diese Gehirnareale wie schon gesagt schon in den ersten embryonalen Lebenswochen vorhanden sind werden sogar die Gefühle gespeichert, die vor der Geburt oder auch in der Kleinkindzeit erlebt werden, obwohl keine Erinnerung an das Erlebnis selbst vorhanden ist.
Auch das sind Wurzeln, tief in uns eingegraben.
Was heißt das nun für die Schwangerschaft?
Die Mutter kann in dieser Zeit eine Wurzel der Freude und der Geborgenheit in das Kind legen, indem sie sich bewusst auf und mit dem Kind freut, mit ihm spricht und singt, das Ungeborene streichelt, viel spazieren geht und es damit schaukelt.
Es gibt sogar Untersuchungen, die besagen, dass das Fehlen des rhythmischen Schaukelns beim Gehen die Ursache für das Aufmerksamkeitssyndrom ADS / ADSH ist. Die heutigen Mütter gehen zu wenig.
Durch Angst und Ablehnung in der Schwangerschaft kann sich nicht nur eine Wurzel der Unsicherheit im Kind bilden sondern es gibt noch andere Folgen:
Erlebnisse von Angst und Schrecken und / oder dauernde Angst oder Ablehnung seitens der Mutter können die Ausreifung der Gehirnfunktionen beeinträchtigen.
Das heißt natürlich nicht, dass das Kind dadurch geistig behindert wird, auf keinen Fall.
Das kann heißen, dass die Funktionen im Gehirn, die mit Angst und Schrecken zu tun haben nicht so wachsen und ausreifen, wie sie sollen. Ein frühkindlicher Schreckreflex bleibt dann über die Kleinkindzeit hinaus bestehen. Er begleitet dann das Kind und den Erwachsenen und stört dessen Entwicklung.
Diese Kinder sind ängstlich oder fühlen sich für uns grundlos angegriffen und reagieren aggressiv. Sie sind übersensibel für Geräusche oder Licht oder Berührungen. Deshalb sind sie abgelenkt und können sich schlecht konzentrieren.
Ihr Gleichgewichtsgefühl ist oft nicht gut und ihnen wird im Auto schlecht. Weil ihnen so vieles Angst macht, versuchen sie Situationen zu manipulieren, damit sie den Überblick oder die Kontrolle behalten. Oder sie haben aufgegeben, bemühen sich nicht mehr, denn eine voraussehbare schlechte Note bringt sie weniger aus dem Gleichgewicht als die Spannung und Angst in der Klassenarbeit zu ertragen und mit der Enttäuschung über eine nicht so gute Note fertig zu werden.
Manche sehr intelligente Kinder umgehen die Ängste indem sie perfekt sein wollen. Nur die "Eins" ist die passende Note. Sie wollen gelobt werden und gehen mit Übereifer und Perfektionismus den Enttäuschungen und den Ängsten zu versagen aus dem Weg. Für solche Kinder kann eine "Zwei" Versagen bedeuten.
Sehr oft treibt eine solche neurologische Entwicklungsverzögerung die Kinder auch in übermäßige Unruhe oder zurückgezogene Verträumtheit.
Kinder, die sich so daneben benehmen, fühlen sich auch daneben.
Sie sind nicht in sich selbst zuhause.
Sie haben Ihre Mitte nicht gefunden.
Diese Kinder haben keine festen Wurzeln. Das ICH ist nicht gefestigt. Ihr Selbstvertrauen und ihr Selbstwertgefühl konnten sich nicht oder nicht gut entwickeln.
Deshalb, wenn es Ihr Anliegen ist, Kindern eine gute Lebenswurzel mitzugeben, helfen Sie, wenn Sie sehen "etwas stimmt irgendwie nicht"
Was heißt das nun?
Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Kind oder Ihr Enkel entwickelt sich nicht so wie andere, dann suchen Sie Hilfe. Denken Sie nicht, das wächst sich aus und lassen Sie sich das nicht einreden.
Entwicklungsstörungen oder Entwicklungsverzögerungen haben immer eine Ursache. Ganz selten kann ein Kind die Störung so gut kompensieren, dass z.B. seine Schullaufbahn reibungslos verläuft.
Wenn es dann Vorschüler ist, kommt die Panik, was wird in der Schule?
Dann haben viele Eltern schon 2 oder 3 Jahre versäumt, in denen man dem Kind hätte helfen können. Und dann läuft die Zeit davon. wenn ein Problemkind erst in der Schule ist, benötigt es viel Zeit für die Hausaufgaben und es bleibt wenig Zeit und Kraft für Förderprogramme. Und dann ist noch zu bedenken, dass es Monate und Jahre dauert, bis eine Förderung wirklich Früchte trägt, so man die passende Förderung gefunden hat.
Aber nicht nur das Ungeborene fühlt die Zuneigung der Mutter und reagiert darauf, sondern natürlich auch das Baby.
Sie kennen sicher das grausame Experiment, das Kaiser Wilhelm mit Waisenkindern durchführen ließ. Er wollte die Ursprache des Menschen herausfinden und ordnete deshalb an, dass die Pflegerinnen für die Waisenkinder nicht mit ihnen sprechen sollten. Sie sollten sie versorgen, aber keinerlei Kontakt zu den Kindern aufnehmen.
Kaiser Wilhelm konnte die Ursprache nie kennen lernen, denn alle Kinder sind gestorben.
Dieses schreckliche Experiment zeigt, wie wichtig - lebenswichtig Zuneigung, Ansprache, Kontakt, Liebe, Geborgenheit für Kinder ist.
Es ist die körperliche Nähe, gehalten und getragen werden, streicheln, wiegen, kuscheln, kitzeln, sanft drücken, küssen und noch mehr
Dazu reden, singen, flüstern, erzählen, lachen und lächeln, der Blickkontakt, die Reaktion auf das Kind, auf sein Lächeln oder Weinen, auf sein Schreien, sein Arme-Ausstrecken usw.
Das lässt ein Kind gedeihen. Und es ist meine tiefste Überzeugung, dass die Mutter - oder Elternliebe nicht zu ersetzen ist. Natürlich kann auch jemand anders Bezugsperson sein, soweit sie wirklich sehr viel mit dem Kind zusammen ist. Also die Adoptiv- oder Pflegemutter oder die Großmutter, bei der das Kind aufwächst.
Aber ich glaube nicht, dass eine noch so gut geschulte Fachkraft, die sich auch noch um mehrere andere Kinder kümmern muss, die Mutter ersetzen kann. Es ist natürlich besser, ein Kind ist in der Krippe, als zwischen Verwandten und Nachbarn und der gestressten, überforderten Mutter hin- und her geschoben zu werden. Und es gibt einfach Situationen, die solche Lösungen notwendig machen. Wenn dann die Mutter sich möglichst viel Qualitätszeit mit dem Kind nimmt, wird das Kind vermutlich damit zurechtkommen.
Kennen sie den Begriff Qualitätszeit?
Das ist die Zeit, die man nur mit dem Kind verbringt, ohne an anderes zu denken oder nebenher anderes zu tun. Wo man wirklich zuhört und auf das Kind eingeht.
Es ist die Zeit, die nur dem Kind gehört.
Liebe Mütter, liebe Omas, lassen Sie die Bügelwäsche stehen und spielen Sie mit dem Kind, lesen sie ihm vor, lassen Sie es mithelfen.
Kindergartenkinder können schon gekochte Kartoffel schneiden und beim Kochen mithelfen. Das ist wesentlich wertvoller als das schönste "Wir kochen jetzt- Lernspiel". Das ist Realität, das kann man anfassen und essen, das hat der Mama oder der Oma Arbeit abgenommen, das lässt das Kind wachsen und selbstbewusst werden. Kleine Kinder können auch schon dem Vater beim Autoputzen helfen und bald nageln sie mit ihm oder dem Opa irgendetwas. Und wenn es sein muss zunächst in Styropor. Mit dem großen Bruder (die Schwester kann's aber auch) ein Vogelhäuschen bauen, bringt mehr Lernqualität als die schönste Peter Lustig - Sendung. Was noch? Schlittenfahren, Drachensteigen, Sandkuchen backen und ein Picknick im Sand starten, echten Brödle und Weckle backen, staubsaugen, …..
Manche Kinder dürfen das nicht. Mit ihnen spielt kein Mensch, vielleicht nur der Fernseher, niemand lächelt mit ihnen. Auch das gibt es. Vielleicht ganz in der Nähe.
Wenn ein Kind unter Mangel an Zuwendung leidet, keine tragenden Beziehungen findet es, wird es unsicher, ängstlich oder aggressiv. Es hat keinen gesicherten Rahmen und es fällt aus dem Rahmen. Im Kindergarten, in der Schule oder später im Betrieb. Manches aggressive Verhalten und manche Depression findet ihre Ursache in der Kindheit.
Das heißt aber nicht, dass die Mutter oder dass die Eltern an jedem Fehlverhalten des Kindes oder des Jugendlichen Schuld sind. Wer so denkt, macht es sich zu einfach.
Nun haben wir drei wichtige Lebenswurzeln besprochen:
1. Gott, der Schöpfer und liebende Bewahrer, den das Kind und wir Erwachsenen später im lebendigen Glauben erfahren dürfen.
Auch hier können wir Großen den Kindern helfen, Gott als den liebenden Vater zu erfahren und nicht etwa als den strafenden Hilfserzieher.
Manche sagen, ich möchte mein Kind nicht manipulieren, es soll selbst entscheiden und selbst seinen Weg finden. Das ist ein netter, freiheitlicher Gedanke, doch wenn wir unsere Kinder nicht erziehen, tun es andere. Möglicherweise glaubt es als älteres Kind oder Jugendlicher dann nicht an Gott, dafür aber an Gewalt, das Recht des Stärkeren, oder an irgendwelche Mächte, die ihm im Horoskop seine Lebensentscheidungen abnehmen und vielleicht glaubt es auch, dass das Leben sinnlos ist weil es sowieso mit dem Tod aufhört, also muss man es jetzt genießen, egal zu welchem Preis. Der Preis ist Rücksichtslosigkeit, Grenzenlosigkeit, Lieblosigkeit.
2. Die eigene Mitte finden, in sich selbst zuhause sein. Wichtige Aspekte diese Wurzel für Kinder haben wir besprochen, aber wie sieht es für uns Große aus?
Was ist wenn wir uns nicht in uns selbst zuhause fühlen?
Natürlich gibt es für uns auch professionelle Hilfe.
Es gibt auch noch einen Aspekt, der mit der ersten Wurzel zu tun hat. Wenn wir von einem Schöpfer geschaffen wurden, hat er in uns die Beziehungsfähigkeit und auch den Wunsch nach Beziehung gelegt. So bleibt im Menschen ein Vakuum, das er mit religiösen Inhalten füllt.
Wenn man sich Gott, der sich in Jesus Christus geoffenbart hat, zuwendet, darf man sich selbst als geliebtes Geschöpf begreifen. Mit Anfang und Ende bei Gott, mit Lebenssinn und -ziel. Gottes Liebe ist bedingungslos. Sie hängt nicht von unserer Leistung ab. Hier gibt es die Möglichkeit, Mitte und Halt zu finden, Wurzeln zu schlagen, die halten.
3. Die Liebe und Zuwendung der Familie und von Freunden. Die Anerkennung in der Gruppe, im Verein auch das trägt und hält viele Menschen.
Es gibt noch weitere Lebenswurzeln. So wie die Wurzeln einer Pflanze ständig weiter wachsen, so wachsen wir auch.
Das Kind und auch der Erwachsene sucht sich Beschäftigung, Hobbys, entdeckt Talente, z.B. Sport, Musik oder Malen. In diesem kreativen Tun findet der Mensch Befriedigung und wächst innerlich.
Für Kinder ist die Situation heute anders, als vor 30 oder mehr Jahren.
Es sind weniger die Kinder, die suchen, sondern ein riesiger Industrieapparat hat sich aufgemacht, den Kindern ihren Lebensraum zu gestalten. Pisa und dergleichen tun das Ihre, den Eltern und Erziehern klar zu machen, dass unsere Kinder zu wenig leisten.
Schnell werden Lernspiele schon für Babys entwickelt, Computerprogramme für Kindergartenkinder, diese lernen schon englisch, bevor sie auf deutsch Schaukel oder Purzelbaum sagen können.
Die Stimmen, die die Ursachen der gesunkenen Leistungen untersucht haben, werden nicht gehört, denn ihr Rat lässt sich nicht zu Geld machen.
So weit sind wir schon.
Die Kinder haben heute zwar übervolle Kinderzimmer, die beste medizinische und materielle Versorgung, die es je gab, aber ihre Fähigkeiten auf motorischem, kognitivem und sozialem Gebiet werden immer schlechter.
Natürlich ist es sehr erfreulich, dass wir heute eine so gute medizinische Versorgung haben, es ist toll, wie sich Schulen und Kindergärten verändert haben. Dafür dürfen wir dankbar sein.
Aber offensichtlich gibt es Lebenswurzeln, die am Verkümmern sind.
Aber warum können Kinder nicht das, was noch vor 40 oder 50 Jahren normal war?
Warum wird die Schrift immer schlechter, warum lässt die Kreativität des Denkens nach? Warum sind sie ungeschickter, unsportlicher? Warum ist ihr Verhalten oft unsozial?
Erinnern Sie sich an ihr Schreibheft oder gar an das Ihrer Eltern, Buchstaben wie gedruckt in schönster kunstvoller Sütterlinschrift oder in Altdeutsch.
Erinnern sie sich an die alten Spiele?
Welches Kind wäre heute in der Lage so zu schreiben oder einen Kreisel mit der Peitsche zu treiben oder 3 km in die Schule zu laufen?
Vor etwa 30 Jahren hatte ich meine ersten Voltigiergruppen…..
Was hat sich denn so sehr verändert?
Oder ist es gar nicht besonders relevant ob die Kinder schön schreiben können oder sich geschickt bewegen können?
Zum einen ist es natürlich der gesundheitliche Aspekt:
die unsportlichen Kinder, vielleicht noch zu dick haben gute Chancen früher an Rückenproblemen, Diabetes, Kreislauferkrankungen und anderen Zivilisationserkrankungen zu leiden, als noch unsere Generation.
Zum anderen geht diese Ungeschicklichkeit und Unsportlichkeit Hand in Hand mit eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten. Also mit eingeschränkten Fähigkeiten auf dem Gebiet des Denkens und Lernens im Kindesalter.
Von den Kindern werden immer früher spezielle Lernleistungen verlangt und die Kinder sind immer weniger in der Lage Gelerntes umzusetzen, auf andere Situationen zu übertragen und sich Lerninhalte einzuprägen.
Eine Lehrerin sagte mir einmal, die Kinder basteln in Schablonen und sie denken in Schablonen.
Das hat mich sehr nachdenklich gemacht und ich habe die Kinder beobachtet. Ich habe mich oft gefragt, stimmt das wirklich?
Welche Fähigkeiten hatte denn ein Zweitklässler vor 50 oder mehr Jahren, dass er in der Lage war so schön zu schreiben. Denn was er nicht kann, kann auch ein prügelnder Lehrer nicht aus ihm herausholen. Er hatte sehr gute feinmotorische Fähigkeiten, er hat eine gute Auge-Hand-Koordination, seine Augenmuskelmotorik war gut und seine Schreibhaltung war so, dass Ellenbogengelenk und Schultergelenk locker waren und der Rücken war frei und kräftig, den Körper ohne Schmerzen aufrecht zu halten.
Was hat den der Großvater gemacht, dass er solche Fähigkeiten hatte?
Er hat mit selbst gefertigten Dingen gespielt, er hat den Eltern helfen müssen. Er war viel im Freien, hat dort gespielt, konnte Neues entdecken und probieren ohne Aufsicht ohne vorgegebenes Spielmuster, denn sein Spielzeug war begrenzt oder aus der Natur. Und er hatte weder Fernseher, Gameboy noch Computer, dafür viele Geschwister und Freunde und Tiere. Wahrscheinlich hat der Großvater auch viel Unsinn gemacht, er war nicht so gut beaufsichtigt, schließlich war er das Dritte von 6 Kindern und er hatte Freunde und Freiräume, seine Ideen zu verwirklichen.
Um ja alles richtig zu machen bekommen die Kinder ein Angebot vorgesetzt, das ihnen die Möglichkeit nimmt, selbst zu entdecken. Kinder sind neugierig, sie wollen lernen. Aber sie haben keine Möglichkeit, selber zu entdecken, selbst Zusammenhänge heraus zu finden, sich ihren Lernstoff selber zu suchen um dann die wunderbare Befriedigung zu erleben, das habe ICH entdeckt.
Auch die neuen Konzepte im Kindergarten sind oft nur neue Lernschablonen. Es ist nutzlos zu sagen, wir messen jetzt Wasser ab, oder wir holen uns Schnee von draußen und lassen ihn schmelzen, wenn die Kinder das augenblicklich gar nicht spannend finden. Es könnte sein, wenn man sie einfach raus ließe, dass sie andere Spiele mit Schnee oder Wasser oder Matsch oder Sand finden und dabei mehr erfühlen, erfahren und erleben. Vor allem sie tun es SELBST, sie verwirklichen IHRE Idee vom Schnee. Sie beantworten Ihre Fragen. Das Kind entwickelt SICH. Es wird nicht entwickelt.
Man muss wissen, die Bereiche des Gehirns, die bewusst Informationen verarbeiten, sind beim Kind noch nicht fertig. Das Gehirn des Kindes unter circa 7 Jahren lernt in der Bewegung und durch die Bewegung. Ab ca. 7 Jahren lernt es immer noch durch Bewegung, aber es kann sich die Bewegung vorstellen. Es bewegt sich im Zahlenraum, es stellt sich Wortbilder vor und verknüpft damit Bewegung oder Spiel, das es erlebt hat.
Das heißt, dass das jüngere Kind zuerst durch ausreichende Bewegungserfahrung sich einen Schatz an Vorstellungen und Erlebnissen sammelt, auf die es zurückgreift.
Außerdem, ganz wichtig, die Wahrnehmung ist noch in der Entwicklung. Das Kind MUSS die Möglichkeit haben zu spüren, also im Sand und im Teig zu matschen, zu fühlen, Wind, Wasser, Fell, Rinde und was es sonst noch alles gibt.
Es MUSS sich bewegen um sich selbst zu spüren, um wie anfangs gesagt in sich selbst zuhause zu sein. Das geht nur in der Bewegung!
Beim Spielen auf dem Boden im Zimmer und draußen auf den Wiese im Wald am Wasser, im Sand , beim Rennen und Springen, Hüpfen, Kullern und so weiter trainiert es die Fähigkeiten, die es braucht um physikalische Zusammenhänge zu begreifen, um zu Schreiben, den Zahlenraum zu begreifen. Wer sich im Raum nicht zurechtfindet, findet sich im Zahlenraum auch nicht zurecht. Raumerfahrung kann man eben nur in der Bewegung machen. Mit Arbeitsblättern am Tisch kann man Raumerfahrung abprüfen aber nicht machen.
Habe ich Ihnen den Unterschied zwischen der gelenkten Erfahrung und der eigenen Erfahrung deutlich machen können?
Die eigene Erfahrung schafft eine tiefe Befriedigung, das Gefühl etwas selbst geschafft zu haben und macht Lust auf mehr. Die Motivation ist geweckt. Da gibt es kein NULL BOCK.
Das heißt, die Wurzel für befriedigendes Lernen und Leben ist Bewegung.
Bewegung ist das Kennzeichen des Lebens.
Nur durch Bewegung ist Lernen möglich.
Ich habe noch ein Beispiel: Der Mann, der den Satz vom Kind als Akteur seiner Entwicklung (was ich vorhin sagte, das Kind entwickelt sich, es wird nicht entwickelt) prägte, er heißt Hans-Jörg Kautter, machte in seinem Institut in Reutlingen einen Versuch.
Erließ eine Gruppe von Lese-Rechtschreibschwachen Kinder ein Jahr lang regelmäßig nach psychomotorischen Grundsätzen turnen. Die andere Gruppe bekam Förderunterricht und die Vergleichsgruppe hatte keine weitere Förderung.
Nach dem Jahr war zwischen den letzten beiden Gruppen kein großer Unterschied in der Lese- Rechtschreibleistung. Die Gruppe die Psychomotorik gemacht hat, zeigte eine deutlich verbesserte Lese- und Rechtschreibleistung.
So viel bewirkt Bewegung.
Das ist es, was sich verändert hat. Die Menge und die Art der Bewegung.
Die Kinder bewegen sich weniger und sie bewegen sich anders.
Wenn Sie ihrem Kind Gutes tun wollen, sorgen Sie für Bewegung. Und für Möglichkeiten selbst zu entdecken.
Wie sollen Kinder so kreativ sein und Kreativität lernen, wenn die Spielgegenstände und die Funktion vorgegeben ist. So etwas wird heute zu allem Übel auch noch Lernspielzeug genannt. Die Kinder lernen damit eine vorgegeben Funktion zu erfüllen. Sie spielen in Schablonen und später denken sie in Schablonen. Es fällt ihnen in der Schule, aber auch im Alltag so schwer, Gelerntes umzusetzen, Neue Ideen zu entwickeln, Lösungen zu finden.
Zudem sind Lerninhalte wenig gefestigt, sodass es Schülern oft schwer fällt darauf zurückzugreifen, wenn sie nach neuen Lösungen suchen sollen.
Diese Kreativität des Denkens sind die Flügel, die uns aus dem Alltag heraustragen. Neue Ideen, neue Einsichten und Erkenntnisse beflügeln uns.
Flügel zu haben, bedeutet, sich loslösen können, Neues erkunden, Neues tun.
Das Neue beflügelt uns zu weiteren neuen Erfahrungen. Eine Malerin probiert eine neue Technik, eine Musikerin wagt sich an einen neuen Musikstil oder beginnt sogar selbst Musik zu komponieren.
Solche Flügel sind vielen Kindern eigen. Sie spielen und entdecken Neues, probieren es aus, im Spiel wird aus dem Stock eine Angel, ein Baum, ein Gewehr oder ein Zauberstab. Aus einem Tuch wird ein Puppenkleid, ein Räuberumhang oder ein Berg für die kleine Spiellandschaft.
Später wenn die Bewegung des Körpers im Spiel, Turnen, Klettern usw. auch verinnerlicht werden kann, kommt die gedachte, sich vorgestellte Bewegung dazu.
Kreativität: bauen, basteln, malen, zeichnen, handarbeiten usw.
Der kreative Bereich ist auch für uns Erwachsene Quelle der Entspannung und Befriedigung und schließlich auch der Bereich, der uns Flügel verleiht.
Unsere Flügel heißen aber nicht nur Kreativität, es gibt noch eine wichtige Art von Flügeln.
Die Flügel, die den Jugendlichen aus der Familie tragen. Jugendliche wollen und sollen sich loslösen, eigene Wege finden, selbstständig werden und Verantwortung tragen.
Nun ist die Clique wichtig, der Freund, die Freundin, die Gruppe.
Starke Kinder und Jugendliche können sich in der Gruppe behaupten. Sie lassen sich vom Gruppendruck nicht erpressen und suchen auch nicht eine Gruppe, in der sie ihre Defizite ausleben können.
Menschen mit starken Wurzeln, die sich bei Gott und in der Familie geborgen fühlen, die in sich selbst zuhause sind und Quellen der Kraft für sich erschlossen haben, können auch in der Gruppe gut bestehen. Sie bereichern die Gruppe, helfen anderen zu sich selbst zu finden.
Es gibt auch noch andere Flügel, Flügel, die uns aufgezwungen werden.
Viele Menschen der letzten Generation waren gezwungen sich von der Heimat zu lösen, geliebte Menschen loszulassen oder gezwungen selbstständig zu werden.
Das müssen manche auch heute erleben. Loslassen, sich lösen, obwohl man es nicht will. Durch den Tod, Scheidung oder andere Abschiedserlebnisse.
Das beflügelt uns nicht. Das macht nicht leicht und glücklich. Das macht schwer - schwermütig, traurig und verbindet uns mehr mit der Erde, als mit dem Himmel. Es wirft uns zurück auf uns selbst. Und wohl dem Menschen, der dann auf einen starken Halt, eine starke Wurzel zurückgreifen kann.
Welche Flügel haben oder hatten Sie?
Es ist nicht so einfach, seine Flügel zu erspüren. Unsere Wurzeln fühlen wir, darauf stehen wir sozusagen ständig, aber die Flügel…
Wenn man so nachdenkt über Wurzeln und Flügel, dann spürt man, es sind die Wurzeln, die den Menschen beflügeln.
Noch mal:
Die erste Wurzel ist die Liebe. Die Liebe Gottes und die Liebe der Eltern, der Familie.
Dann die Wurzel in sich selbst zuhause zu sein, selbstbewusst zu sein, Selbstvertrauen zu haben.
Dann die Wurzeln in der Gruppe.
Die Wurzeln im Tun, in der Arbeit, Wurzeln im Kreativen Tun, im Sport, im Hobby.
Das sind doch die Dinge, die Menschen Flügel wachsen lassen. Flügel auch über sich selbst hinaus zu wachsen. Flügel, sich selbst hinten an zu stellen, Egoismus zu überwinden, und selbst Liebe aus zu teilen.
Wer Liebe empfangen hat, kann Liebe schenken. Als Mutter, oder als Schwester, Tante, Freundin oder einfach so im Alltag: Nett sein, freundlich sein, großzügig, tolerant, herzlich…. das lässt uns wachsen, über die Kleinlichkeiten des Ego hinaus, So wachsen Flügel, die den Menschen über sich selbst hinaustragen.
Da erinnert man sich an Namen wie Mutter Teresa, Maximilian Kolbe oder Friedrich Bodelschwingh.
Wer zu sich selbst vertrauen haben kann, kann auch anderen vertrauen, ihnen etwas zutrauen und sie damit stark machen.
Auch das sind Flügel, die den Menschen zum anderen Menschen hintragen.
Wie wichtig ist dieser Aspekt für die Kinder. Sie haben die Möglichkeit stark und selbstbewusst zu werden, wenn die Eltern, Erzieher und Lehrer ihnen etwas zutrauen, wenn sie auch selbständig handeln dürfen.
Wer seine Kinder ständig gängelt, sie überbeaufsichtigt und alles für sie erledigt, hält sie klein, sie können innerlich nicht groß werden. Sie lernen dadurch: "Ich kann nichts, ich bin nichts Wert, ich kann weniger als die anderen…."
Wenn Kinder aber auch selbstständig etwas Schwieriges tun dürfen, wenn Kinder ehrlich gelobt werden, dann können sie selbstsicher werden.
Über die Möglichkeiten, was kleine Kinder schon tun können haben wir vorhin gesprochen. Ältere Kinder und Jugendliche übernehmen meist nicht so gerne Pflichten. Sie sollen auch nicht unsere Dienstboten sein.
Angemessene Pflichten geben ihnen das Gefühl, gebraucht zu werden. Das ist wichtig.
Der Familienrat ist eine ganz wichtige Einrichtung, um Kinder und Jugendliche zur Verantwortung zu erziehen. Sie können viele Entscheidungen mit tragen. Es ist nicht nur für die Kinder und Jugendlichen wichtig, dass sie an Familienentscheidungen oder -problemen teilhaben.
Zum Schluss möchte ich zusammenfassen:
Wir alle brauchen Wurzeln, die uns Halt geben und durchtragen in Krisen.
Diese Wurzeln können sein:
Der Glaube
Die Familie
Freunde
Hobbys
Wurzeln machen uns fähig uns loszulösen und Flügel zu bekommen. Flügel, die uns aus dem Alltag tragen, uns Neues erproben lassen.
Flügel, die uns von uns wegschauen lassen auf die Bedürfnisse anderer.
Kinder kommen nur mit ganz kleinen Würzelchen auf die Welt. Es ist das vorgeburtliche Erleben, das aber prägend sein kann für das ganze Leben.
Die Eltern haben die Pflicht, ihnen Wurzeln zu geben. In Form von Liebe und Zuwendung, Versorgung. Und wenn sich Probleme zeigen, ist es wichtig, Hilfe zu suchen.
Für uns alle wünsche ich uns starke Wurzeln, besonders in Krisenzeiten und den Mut auch neue Wurzeln zu suchen. Und ich wünsche uns Flügel, um den Alltag oder schwere Zeiten zu überfliegen. Und ich wünsche mir für mich und für Sie und am liebsten für alle Menschen Flügel, die sie von sich selbst wegtragen und die Not anderer sehen lassen.
VORTRAG im März 2008
WAS MACHT DAS GEHIRN MIT UNS UND WAS MACHEN WIR MIT UNSEREM GEHIRN
Wenn wir vom Gehirn reden, denken wir oft nur an unser Großhirn, also an den Teil, mit dem wir bewusst erleben und denken. Manchmal wird abwertend von den Menschen geredet, die ihre Entscheidungen scheinbar nur mit dem bewusst erlebbaren Verstand machen. Sie sind "kopflastig" oder das ist "verkopft". Andere Menschen entscheiden aus dem Bauch heraus. Scheinbar entscheiden sie NICHT mit dem Kopf, nicht mit dem Großhirn, sondern irgendwie anders.
Was glauben Sie womit entscheiden diese Leute? Womit entscheiden wir?
Aber an dieser unlogischen Argumentation ist wie in den meisten der Alltagsfloskeln oder Sprichwörter ein Funke Wahrheit.
Bewusst wägen wir das Für und Wider mit der Großhirnrinde ab. Dabei fließen schon gemachte Erfahrungen mit ein. Es gibt im Gehirn aber weitere kleine Zentren, die unsere Entscheidungen unbewusst oder halbbewusst beeinflussen. Das Zentrum für die emotionale Bewertung- wer meinen letzten Vortrag gehört hat kennt ihn schon - den Mandelkern, dann in verschiedenen Zentren die gespeicherten Erfahrungen. Und Nervenzell-Netzwerke für das so genannte Belohnungssystem Hier wird bewertet, welchen Vorteil man von einer Entscheidung erwarten kann..
Die Kapazität unseres Arbeitsgedächtnisses ist beschränkt. Wir bedenken zwei drei wichtige Faktoren, aber die unbewussten Zentren unseres Gehirns arbeiten aber in Sekundenschnelle ein mehrfaches an früher gespeicherter Information ab. Dabei gibt es auch mal Verknüpfungen, die eine Entscheidung in die falsche Richtung laufen lassen.
Möglicherweise steht unser kopflastiger Entscheider vor mehren Autos und muss sich für eines davon entscheiden. Er hat schon nach Preis und Alter sortiert, außerdem ist der Wagen mit dem hohen Kraftstoffverbrauch schon herausgefallen. Nun stehen da verschieden Autos zur Auswahl, die sich in Farbe, Design, PS, Kraftstoffverbrauch und Finanzierungsmöglichkeit unterscheiden.
Das grüne Auto könnte zwar am besten finanziert werden, aber der Gedanke an das grüne Auto seines Nachbarn hält ihn von der Wahl ab, dabei ist aber sein Argument, dass das grüne Auto doch im Stadtverkehr mehr Benzin verbraucht, als das Silberne.
Über den halben Liter mehr hätte er sich keine Gedanken gemacht, aber irgendetwas hat ihn davon abgehalten, das Grüne zu nehmen, also entscheidet er dagegen und nach reiflicher Überlegung wählt er das Dunkelblaue. Ihm ist bewusst, Kraftstoffverbrauch, Finanzierung, Alter und Steuerklasse sind dort optimal vereint, unbewusst stellte er sich jedoch auch vor, wie es wäre, wenn er mit dem großen, dunkelblauen Auto vorfährt. Zufällig ist es eine Klasse größer als er es eigentlich wollte und auch größer, als das Grüne seines Nachbarn und sieht dabei noch aus wie neu. Dass die Finanzierung besonders günstig ist und die Größe auch für den nächsten Urlaub sehr praktisch ist, sind seine Argumente.
Auch er hat nicht nur mit der Großhirnrinde entschieden. Als er eine Nacht über der Entscheidung geschlafen hat, hat sein Gehirn weitergearbeitet und die Erfahrungen, die dort gespeichert sind, wurden zur Argumentation herangezogen. Sogar die Micky-Maus die im weißen Auto lag, wurde dabei bedacht, oder die Beschleunigung oder der Satz des Verkäufers:" Das Ferrari-Rot ist unsere neueste Farbe." Der Verkäufer wusste nicht, dass unser Autokäufer zwar gerne Autorennen sieht, aber Schuhmacher nicht leiden kann, weil seine Frau ihn so süß findet. Natürlich laufen unbewusst auch die Eindrücke aus den Werbespots in seinem Gehirn ab und vermitteln ihm das Gefühl von Freiheit oder Macht oder väterlicher Fürsorge, eben genau das, was der Designer der Werbespots bezwecken wollte.
Der Bauchentscheider schläft wahrscheinlich keine Nacht über seiner Entscheidung, sondern nimmt das weiße Auto, weil er die Mickymaus so süß findet. Diese hat in seiner Kindheit eine große Rolle gespielt und er verbindet mit der Mickymaus nur Angenehmes.
Ob er sich vielleicht in den nächsten Wochen über seine Entscheidung ärgert?
Mit diesem Beispiel haben wir schon einen tiefen Blick in unser Gehirn getan. Es arbeitet nachts weiter, vertieft Probleme, sucht Lösungen, verarbeitet Gelerntes. Aber nur dann wenn das Gelernte nicht durch aufregende Filminhalte überdeckt und ausgelöscht wird. Deshalb macht Fernsehen dumm.
Unser Gehirn checkt mal schnell tausende von Nervenzellverbindungen ab, die zu der Entscheidung irgendeine Verbindung haben. Selbst im Supermarkt, wenn wir uns zwischen mehreren Produkten entscheiden müssen, laufen solche unbewussten Vorgänge ab. Davon profitiert natürlich die Werbebranche, die uns suggeriert, dass wir total süße Kinder haben, wenn sie nur einen bestimmten Pudding haben. Manchmal oder oft muss man sich mit einem klaren großhirnigen NEIN gegen die Versuchung stellen, eben das zu kaufen, was irgendwie doch so attraktiv ist und uns ein Gefühl, eine gute Mutter zu sein oder auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen, vermittelt.
Und das menschliche Gehirn ist das genialste, was es überhaupt gibt. Unser Schöpfer lässt uns hier ein bisschen von seinem Wesen begreifen. Genial, unfassbar, letztlich nicht zu begreifen.
Unser Gehirn besteht aus über 20 Milliarden Nervenzellen . Jede Nervenzelle ist mit bis zu 10.000 Verbindungsstellen, den Synapsen, mit anderen Nervenzellen verbunden. Das heißt, was für jeden lebendigen Organismus gilt, gilt auch für jedes Organ: Es kann nur in Beziehung mit anderen funktionieren. Gehirnentwicklung lebt aus Verknüpfungen, Beziehungen aus Assoziationen. Neues wird gelernt, indem es auf Bekannten aufbaut, Verbindungen oder Parallelen entdeckt und mit Synapsen festhält und speichert.
Es ist ein Grundprinzip des Lebens: verbunden sein mit anderen. Beziehung haben, Austausch - Kommunikation- , Geben und Nehmen. Selbst Pflanzenwurzeln tauschen mithilfe von chemischen Stoffen Informationen mit ihrer Umwelt aus.
Aber zurück zum Gehirn. Eben sagte ich, es lebt aus Verknüpfungen, es speichert mittels Verknüpfungen und es entwickelt sich durch die Bildung von Nervenzell - Netzwerken. Früher dachte man, Nervenzellen können sich nicht neu bilden. Mit der Konsequenz, dass man glaubte, wenn ein Kind nicht bis 10 Jahre sprechen gelernt hat, lernt es nie mehr sprechen oder wenn Nervenfasern getrennt sind, bleiben sie das für immer. Das ist inzwischen widerlegt, sogar im Falle mancher Querschnittslähmungen. In der Schweiz gibt es eine Klinik, die einigen Querschnittsgelähmten das Gehen beibringen konnte. Es werden ein Leben lang neue Nervenfasern im Gehirn gebildet. Zum Beispiel wenn man Neues lernt, insbesondere neue Bewegungsmuster.
Das ist doch bemerkenswert, warum erneuert sich das Gehirn im Zusammenhang mit Bewegung besonders gut, besser als beim reinen Denktraining?
Eben sprachen wir von den Zusammenhängen, vom verbunden sein, von Beziehungen und von den Verknüpfungen der Nervenzellen im Gehirn untereinander. Damit hat auch die Erneuerung von Nervenzell - Netzwerken zu tun. Es geht folgendermaßen von statten:
Wenn ein Mensch eine neue Bewegung lernt, sagen wir Klavier spielen oder Trommeln, ist der ganze Mensch beteiligt. Hände, Arme, das Denken, das Fühlen, die Augen, die Ohren, der Tastsinn, die Körperwahrnehmung, die Erinnerung. Das Gehirn arbeitet auf Hochtouren: Verbindungen und Verschaltungen werden benötigt: zum Beispiel zwischen Rhythmusgefühl , Hören und Handbewegungen. Neue Bewegungsmuster werden eingespeichert und automatisiert. Das Gefühl teilt dem Bewusstsein Erinnerungen an früher gehörte Musik mit, und produziert zum Beispiel eine freudige Stimmung.
Sie merken, hier arbeiten viele Bereiche, viel mehr als beim Rätsellösen. Natürlich geht das Lernen bei uns langsamer, als beim Kind. Das liegt daran, dass das erwachsene Hirn sich (ab dem Alter von ca. 25 Jahren) spezialisiert. Das heißt, es vernichtet unbenutzte Nervenzellen und Nervenverbindungen. Sie verkümmern während andere Verbindungen wie Autobahnen ausgebaut werden. Was wir benutzen wird gestärkt, was wir nicht benutzen, verfällt.
Use it or lose it sagt man auf englisch. Benutze es oder verliere es.
Im Alltag und im Berufsleben ist diese Spezialisierung von Vorteil. Der Betriebsleiter kann schnell einen Vorgang durchkalkulieren und hat auf einen Schlag schon alle Problempunkte im Blickfeld allerdings braucht er ein bisschen lang um zu begreifen, wie man eine Tütensuppe zubereitet. Die Mutter wird immer feinfühliger was die Mitteilungen und Bedürfnisse des Kindes angeht, aber wenn es darum geht die Zinsbelastung für das neue Haus zu überschlagen, ist sie langsamer, als ihr Mann, der bei der Bank arbeitet.
Das ist uns nicht neu, selbstverständlich, weiß doch jeder. Ist uns bewusst, dass das das Ergebnis der Spezialisierung im Gehirn ist?
Würde man das einem Gehirn ansehen? Ja, tatsächlich. Unsere Gehirne sind so individuell wie wir selbst. Es gibt Bereiche, die sind besser entwickelt, manche sind nur noch in Grundstrukturen vorhanden und welche sind sehr aktiv, welche eher passiv. Es gibt Bereiche, die wurden so gestresst, dass sie zerstört wurden. Frauen, die im Kindesalter missbraucht wurden, haben durchschnittlich einen Verlust von 5% in dem Gehirnbereich, der für die Gedächtnisbildung zuständig ist. Dieselbe Verminderung des Gehirnvolumens findet man auch bei stark vernachlässigten Kindern. Beides mal geht es um Vertrauensverlust und damit Beziehungsstress. Vorhin haben wir über Beziehung, Verbindungen und Verknüpfungen gehört. Wir haben festgestellt, dass Beziehung ein Grundprinzip des Lebens ist. Vertrauen und intakte Beziehung ist also so wichtig, dass sie Einfluss auf die Gehirnentwicklung und damit auch auf die Denkentwicklung haben. Beziehungsstress im Kindesalter macht also auch dumm.
Nochmal zurück zum Trommeln oder Klavierspielen: Es ist erwiesen, dass Musik und wenn es nur Trommeln ist, die Altersdemenz aufhält oder sogar verbessert. Bewegung jeglicher Art - also auch das Spazierengehen - hält das Gehirn fit. Dabei ist es nicht nur die bessere Durchblutung , die natürlich sehr, sehr wichtig ist!!! - sondern das Gesamtgeschehen. Wie beim Musikmachen beschrieben, ist es der ganze Mensch und somit auch das ganze Gehirn, das arbeitet mit allen Zentren für Bewegung, wahrnehmen, Gleichgewicht, erinnern - Und was wir benutzen bleibt fit.
Das Gehirn verarbeitet in der Sekunde ca. 100.000 Reize aus unserem Körper und der Umwelt. Deshalb kann man sich gut vorstellen, was das Gehirn zu leisten hat, wenn man spazieren geht oder radelt oder schwimmt. Es gibt viel zu gucken zu hören, zu spüren. Impulse aus den Beinen, den Füßen, der Haut , dem Gleichgewichtssystem, also dem ganzen Körper erreichen ständig in wechselnder Qualität das Gehirn. Nebenher unterhält man sich noch, oder macht sich noch so seine Gedanken. Das ist natürlich effektiver als Kreuzworträtseln oder Gehirntrainingsprogramme am Tisch. Selbstverständlich sollte man seinen Verstand auch nicht vernachlässigen, allein schon deshalb, weil man doch mitreden will. Lesen, Musik hören und Reden , Information aus dem Fernsehen und vom Nachbarn und wenn man möchte auch Kreuzworträtseln gehören dazu.
Jetzt sind wir schon mittendrin beim Punkt, was können wir für das Gehirn tun.
Jetzt sag ich's ---- auch wenn es alle schon wissen: Trinken. Das Gehirn ist das erste Organ, das leidet und nicht mehr gut funktioniert, wenn der Körper zu wenig Wasser hat. Die Biertrinker strahlen? Aber das ist das nächste: Jeder Tropfen Alkohol, auch der aus dem gesunden Gläschen Wein, zerstört Gehirnzellen - also Nervenzellen im Gehirn. Je mehr Alkohol je mehr Zellen. Unwiederbringlich. Da hilft auch Klavierspielen nichts, so intensiv kann man gar nicht das Gehirn trainieren um das wieder aufzuholen, was der Alkoholmissbrauch zerstört. Ich sage bewusst Missbrauch - vom Gläsle Wein und mal ein Bier wird man nicht dement. Im Gegenteil: das kleine Gläsle Wein hilft die Zellalterung aufzuhalten.
Auch und gerade für das Gehirn gilt: Man ist was man isst.
Das Gehirn verbraucht rund 20% unseres Gesamtenergiebedarfs - obwohl es nur ca. 2% unseres Körpergewichts ausmacht. Es ist also auf ständige Energiezufuhr in Form von Traubenzucker angewiesen. Damit der Energienachschub ständig fließt, ist es wichtig nicht Zucker oder Traubenzucker zu essen sondern die langkettigen Kohlenhydrate aus Getreide, am besten Vollkorngetreide, Gemüse und Obst zu sich zu nehmen. Aus den langkettigen Kohlenhydraten macht das Verdauungssystem kurze Ketten und schließlich Traubenzucker und so fließt stetiger Nachschub für Gehirn und Muskeln.
Zucker treibt kurz den Blutzuckerspiegel hoch und kurbelt die Insulinausschüttung an. Insulin beschleunigt aber die Zuckereinspeicherung und plopp ist die vermeintliche Gehirnnahrung weg und der Blutzuckerspiegel fällt, man hat Hunger ist müde und das Oberstübchen arbeitet schlechter als vor dem Zuckerdoping.
Hätte der Gehirnakrobat Haferflocken gegessen, vielleicht mit Obst und Milch oder Joghurt, hätte das Gehirn:
1. Eine langsam und kontinuierlich fließende Energiequelle
2. Flüssigkeit
3. Eisen aus den Haferflocken für die roten Blutkörperchen und damit für eine bessere Sauerstoffversorgung
4. Kalzium für den Reiztransport zwischen den Nervenzellen
5. Eiweiße als Ausgangssubstanzen für Nervenbotenstoffe
6. Vitamin B für den Nervenstoffwechsel
7. Vitamin C für die bessere Verwertbarkeit des Eisens
Weiterhin ist wichtig :
Als Quelle hochwertiger Eiweißbausteine und Omega3- Fettsäuren für den Gehirnstoffwechsel: Soja, Fisch, Milchprodukte, Nüsse, Rapsöl, Fleisch, Reis, Weizen
Als Mineralstoff- und Vitaminlieferanten: Gemüse und Obst am besten Äpfel, Brokkoli, Hülsenfrüchte, besonders Soja, Karotten, Getreide,
Was wir normalerweise nicht ausreichend zu uns nehmen und häufig in Form von Mineralstoffpräparaten brauchen ist Zink. Zink ist wichtig für den Gehirnstoffwechsel und beugt so auch der Altersdemenz vor. Der Erwachsene benötigt ca. 12 mg Zink täglich. Zink kommt vor in: Nüssen, Soja, Schwarztee, Schokolade, Getreide - das heißt Vollkorngetreide. Man müsste täglich 500g Getreidegrütze und 100g Nüsse essen oder eine Tafel Schokolade. Die Tafel Schokolade würde ja manchem von uns nicht schwer fallen aber zusätzlich jeden Tag Getreideschrotbrei vielleicht schon. Deshalb greifen viele zum Mineralstoffpräparat.
Auch Selen kommt in unserer Nahrung zu wenig vor.
So können wir doch einiges tun, was dem Gehirn gut tut. Gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Salat und als spezielles Gehirnfutter, das wir in unseren Speiseplan aufnehmen sollten Sojaprodukte, Nüsse , 2-3 mal pro Woche Seefisch und Zink.
Und jetzt komme ich zu einem sehr wichtigen Thema, über das in dieser Zeit geforscht wird und das sehr gegensätzlich diskutiert wird.
Ich lese Ihnen einen Satz aus dem Buch vor "Das Gedächtnis des Körpers" von Joachim Bauer. Und Sie dürfen dann raten, um was es geht.
Buch Seite 64:
Wird das neurobiologische System unter Stress gesetzt, durch Reize überflutet oder überfordert, so können sich auch beim Säugling die negativen Folgen der Stressreaktion ergeben, bei welcher Cortisol und Glutamat Nervenzellen und die Verbindungen zwischen Nervenzellen (Synapsen) zerstören.
Um was könnte es mir jetzt gehen, was raten Sie?
Über die Zerstörung von Gehirnsubstanz haben wir schon geredet, als ich sagte "Beziehungsstress macht dumm".
Glutamat ist das Reizwort und das Reizthema in der Forschung. Mononatriumglutamat , bekannt als Geschmacksverstärker ist in vielen Lebensmitteln enthalten, nämlich in den meisten Fertiggerichten wie Pizza, Tütensuppen und -soßen, Brühwürfel, gekörnte Brühe, Fertiggerichte in Dosen oder tiefgekühlt, Chips, Knabbergebäck, Gewürzmischungen und in fast allen Wurstsorten.
Extrem viel Geschmacksverstärker verursacht Das China-Restaurant -Syndrom.
Im China-Restaurant werden die Speisen oft übermäßig mit Geschmacksverstärkern gewürzt, daher kommt auch der Name für eine plötzlich auftretende Erkrankung nach der Aufnahme von größeren Mangen Glutamat.
Die Symptome sind: Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, Mundtrockenheit, gerötete Hautpartien (z. B. Wangen) mit Hitzeempfindung, Schweißausbrüche, Juckreiz im Hals, Gesichtsmuskelstarre, Nackensteifheit, Gliederschmerzen, Übelkeit…*
Diese Symptome tauchen ca. 10 - 20 Min. nach "Genuss" der stark glutamathaltigen Speisen auf. Nach ein bis zwei Stunden klingen sie wieder ab. Was ist passiert? Offenbar kommt es
trotz schützender Blut-Hirn-Schranke kurzfristig zu einer Überforderung des körpereigenen Glutamat-Regulierungssystems.
Freies Glutamat, wie es unser Körper selber herstellt und sorgfältig verwaltet, ist ein wichtiger Botenstoff (Neurotransmitter) im Gehirn, ohne den wir nicht leben könnten. Der Botenstoff Glutamat hat eine zentrale Aufgabe bei der Schmerzübertragung, bei der Steuerung des Körperwachstums, bei der Gewichtsregulierung und bei der Appetitsteuerung u.a.
Im Übermaß ist Glutamat ein Nervenzellgift
"Zu viel Glutamat bringt uns um den Verstand." sagt deshalb der Heidelberger Alzheimerforscher Prof. Konrad Beyreuther, und er hält darum die übermäßige Verwendung von Glutamat in der Nahrungsmittelindustrie für "besorgniserregend". ***
Die Menge macht's!
Freies Glutamat, das in unserem Gaumen als würziger Geschmack wahrgenommen wird, ist in vielen Lebensmitteln von Natur aus enthalten: in Eiern, Fleisch, Käse (stark in Parmesan und Roquefort), aber auch in Gemüsen wie Kartoffeln, Tomaten, Zwiebeln, Spinat usw. Allerdings nur in kleinen Mengen!
Mit einer Portion Tütensuppe oder einer Packung Chips (150g) nimmt man so viel Glutamat zu sich wie in120 Eiern oder 7,5 kg Zwiebeln oder 6kg Schweinefleisch oder 4,2 kg Möhren oder 1,5 kg Kartoffeln oder 4,2 kg Rindfleisch oder 1kg Tomaten oder 75 Liter Kuhmilch enthalten sind.
In Tierversuchen führte Glutamat zu schweren Gehirnschäden. Es wurde trächtigen Ratten über die Nahrung in Dosierungen verabreicht, wie sie z. B. in Kartoffelchips oder Fertigsuppen durchaus üblich sind, so konnte sich beim Embryo im Mutterleib kein voll funktionsfähiges Nervensystem mehr entwickeln. Die Neugeborenen wären wahrscheinlich in der Natur nicht überlebensfähig gewesen. Auch bei erwachsenen Tieren traten deutliche Gehirnveränderungen auf.
Meine Frage ist immer wieder, warum haben wir heute so viele Kinder mit irgendwelchen Störungen, Aufmerksamkeitsstörungen, Konzentrationsstörungen, Koordinationsstörungen, Störungen des Sozialverhaltens....
Warum können Kinder nicht mehr das, was Kinder vor 30, 40 oder 50 Jahren gekonnt haben. Erinnern Sie sich noch an Flügel und Wurzeln? Als ich fragte, was hat der Großvater gemacht, dass er so schön schreiben konnte?
Vielleicht muss man fragen, was hat er NICHT gegessen, dass er so schön schreiben konnte, dass der Hampelmannsprung oder Seilspringen kein Problem für ihn waren?
Täglich Wurst, mit gekörnter Brühe gewürzte Speisen oder Fertiggerichte und abends Chips oder Flips…da kommt eine Menge Glutamat zusammen!
Ist es das Glutamat, zusammen mit anderen Faktoren wie dem Bewegungsmangel, Fernsehkonsum, Tschernobyl, Umweltverschmutzung und mehr, was die Kinder aus dem Gleichgewicht bringt? Gegen einige dieser Belastungen sind wir machtlos, aber Glutamat lässt sich vermeiden.
Glücklicherweise gibt es heute Brühe ohne Geschmacksverstärker und auf Fertiggerichte und Chips kann man verzichten. Auf Wurst zu verzichten fällt doch vielen schwer, besonders den Kindern.
Ich habe inzwischen einen Metzger gefunden, der entweder sehr wenig Gewürzfertigmischungen mit Geschmacksverstärker benutzt oder gar keinen.
Vielleicht können Sie mit Ihrem Metzger auch reden. Das sind bestimmt auch alles Könner, die Wurst auch mit normalen Gewürzen lecker würzen können.
Und wenn wir doch gerade beim Thema Kinder und Faktoren, die über das Gehirn Schaden anrichten sind können wir ein Thema nicht unbeachtet lassen.
Wollen Sie nochmal raten?
Kinder und Fernsehen, Kinder und Jugendliche und Gewaltfilme.
aus Manfred Spitzer, Nervensachen:
10 bis 15 Jahre nach Einführung des Fernsehens 1950 in Kanada und den USA hat sich die Anzahl der Morde verdoppelt. In Südafrika ging die Zahl der Gewaltverbrechen im gleichen Zeitraum um 7% zurück, als allerdings 1972 dort das Fernsehen eingeführt wurde stieg die Anzahl der Morde bis zum Jahr 1987 um 130%.
Beim Anschauen von Krimis, Gewaltfilmen und noch stärker beim Spielen von Computerspielen reagiert das Gehirn so, als ob der Zuschauer der Handelnde wäre.
An der Struktur des Zuschauers liegt es, ob er sich mehr mit dem Mörder, dem Opfer oder dem Kommissar identifiziert. Aber auch wenn er innerlich die Rolle des Kommissars einnimmt, sozusagen auf der Seite der Guten ist, nimmt er doch die Gewalt auf, gewöhnt sich daran und stumpft ab. Die Schwelle wird immer niedriger. Gewalt wird zur Normalität.
Schlimmer, wenn sich Zuschauer mit dem Gewalttäter identifizieren. Das Gehirn speichert die Gewalttaten, als ob der Zuschauer sie selbst begangen hätte. Im Falle einer Herausforderung, Provokation oder einer auslösenden Situation parallel zur Filmsituation läuft das Handlungsmuster ab, wie die Tonleiter beim Klavierspieler, wie Routine.
Kinder erleben Gewaltszenen noch viel drastischer als Erwachsene, sie sind leichter beeinflussbar. Sie übernehmen auch Handlungsmuster leichter.
Nach einer Untersuchung von 2500 Stunden Fernsehprogramm mit Gewalt als Inhalt
kommen drei Viertel aller Täter ungestraft davon,
die Hälfte aller Taten hatte keine Konsequenzen im Sinne von Schädigung oder Schmerzen für das Opfer und
nur 4% der Programme zeigten gewaltfreie Problemlösungen auf.
Gewaltszenen ziehen Kinder in ihren Bann, weil sie instinktähnliche Strukturen ansprechen und die Aufmerksamkeit ankurbeln. Weil das kindliche Gehirn so formbar ist, nimmt es diese Muster leicht auf und speichert es als zukünftiges Handlungsrepertoire.
Aber auch wir Großen sollten nicht glauben, dass das, was wir in uns hineinlassen keine Spuren hinterlässt.
In der Bibel, im Buch der Sprüche steht: "Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus quillt das Leben".
Wenn ein Mensch seinen Sinn, sein Denken und Fühlen mit Gewalt, Lügen, Unmoral, Arroganz, Geldgier, Rücksichtslosigkeit oder Betrug, also Inhalten, wie sie in vielen Filmen vorkommen, füllt, speichert er diese Handlungsmuster und seine Hemmschwelle gegenüber diesen Inhalten wird immer niedriger. Das Fernsehen hämmert uns ein, das Leben ist kurz, es soll möglichst viel Spaß machen, Glücklich sein ist das Wichtigste, Partner sind austauschbar.
Solche Botschaften beeinflussen die Entscheidungen unbewusst oder halbbewusst.
Wie beim Autokauf argumentiert der Mann mit plausiblen Gründen, seine Frau zu verlassen, aber sein Unterbewusstsein hat ihm schon gesagt, "wozu die Mühe, die Fitnesspartnerin ist so attraktiv, du hast doch das Recht glücklich zu sein, das Leben ist kurz."
Die Hemmschwelle für Gewalt, Scheidung, Betrug eigentlich jede Unmoral ist gesunken.
Das Fernsehen hämmert seinen Zuschauern ein , es ist normal zu lügen, zu betrügen, zu schlagen, zu morden.
Sehe ich das zu einseitig? Teils nein teils ja. Es gibt auch andere Medien, die unethisches Verhalten verherrlichen, Bücher, Zeitschriften, Lieder, Vorträge, Kinofilme und natürlich Videofilme, DVDs, Computer und Computerspiele. Aber all diese sind nicht so einfach im Wohnzimmer. Sie werden viel bewusster ausgewählt, sie haben nicht das Harmlose, Alltägliche des Fernsehens. Können dann aber, wenn sich Menschen bewusst dafür entscheiden, wesentlich gefährlicher sein.
Warum ist das so? Warum nehmen wir Handlungsweisen auf und verinnerlichen sie?
Eine ganz typische menschliche Eigenschaft ist das Mitfühlen. Tiere können das auch.
Aber Mitleid und mitleiden, sich einfühlen können, ja sogar fühlen können was der andere denkt, das erwarten wir zuerst vom Menschen.
Und dazu hat unser Schöpfer das Gehirn mit einer besonderen Art von Nervenzellen ausgestattet.
Ich lade Sie zu einem Experiment ein, füttern Sie doch mal Ihre gegenüber sitzende Nachbarin mit einem Löffelchen Tee, Kaffe, Zucker oder was sich gerade anbietet. Nehmen Sie einfach den Kaffelöffel Ihres Gegenübers und füttern Sie.
Was tun wir -------- genau.
Unsere Spiegelnervenzellen oder Spiegelneuronen veranlassen uns, uns mit zubewegen. Wir spiegeln den Nächsten. Dabei sind Handlungsmuster, Mimik, Gestik, also kleinste Signale verbunden mit gespeicherten Vorerfahrungen so miteinander verknüpft, dass wir sogar in der Lage sind, die Handlungen des Gegenübers vorweg zu erleben und nicht nur das sie sogar schon vorweg mit entsprechender Mimik oder Handlung zu beantworten.
Alles in Bruchteilen von Sekunden und unbewusst.
Das beginnt schon beim Baby. Die Mutter spiegelt unbewusst die Mimik des Babys. Und das Baby tut dasselbe. So entsteht ein Hin und Her der Kommunikation. Das Baby und die Mutter speichern diese Verhaltensmuster und rufen sie immer wieder ab. Neue kommen dazu, die Mutter bietet neue Wörter, neue Reaktionen an, das Baby übernimmt sie und bietet seinerseits neue Muster an. Sie können sich Vorstellen, wie der Schatz an Signalen wächst. Genauso wächst das Gehirn. Das Sprachzentrum, das Gefühlszentrum, die Areale wo Bewegungsmuster gespeichert werden, das Hörzentrum, und, und, und….
Das Gehirn wächst, wie Sie sicherlich wissen besser, wenn man dem Kind eine anregende Umwelt anbietet. Und inzwischen wissen Sie auch, dass Nervenzellen zerstört werden, wenn das Kind großem Stress ausgesetzt ist.
Unser Blick in unser Oberstübchen hat uns gezeigt, dass das Gehirn beeinflussbar. Und dass sozusagen das was wir hineinlassen und erleben wiederum unser Verhalten beeinflusst.
Zum Schluss noch einmal den Vers aus dem Buch der Sprüche: "Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus quillt das Leben".
Literatur:
Joachim Bauer: Das Gedächtnis unseres Körpers, Piper, München, 2005
Joachim Bauer: Warum ich fühle, was du fühlst, Hoffmann und Campe, Hamburg 2005
Manfred Spitzer: Nervensachen, Suhrkamp, Stuttgart 2005