PRIMITVE REFLEXE beim ERWACHSENEN
Wenn Frühkindliche Reflexe nicht ausreifen und in reife Bewegungsmuster integriert werden, bleiben sie das ganze Leben lang bestehen.
Viele der Folgeerscheinungen von bestehenbleibenden primitiven Reflexen, die im Zusammenhang mit Kindern auf den vorhergehenden Seiten beschrieben wurden, sind auch, vielfach kompensiert beim Erwachsenen zu finden.
Auch der Erwachsene kann seine Fähigkeiten nicht voll entfalten. Primitive Reflexe, insbesondere der Moro-Reflex und der TLR legen sozusagen große Steine in den Lebensweg.
Der Moro-Reflex kann in verschiedenen Ausprägungen vorhanden sein. Je nachdem wie viele FPR-Anteile (Anteile des Furcht-Lähmungsreflexes) vorhanden sind und je nach Charakter und Lebensgeschichte kann
- Angst, Vorsicht und das Bedürfnis möglichst viele Eventualfälle abzusichern (FPR-Komponente) vorrangiges Lebensthema sein oder
- eher die Manipulation, das Bedürfnis Situationen beherrschen zu wollen (Moro-Anteil)
- bis hin zum aggressiven Macho-Verhalten (Moro-Anteil).
Der Erwachsene hat komplizierte Kompensationsmechanismen entwickelt. Je intelligenter der Erwachsene (und natürlich auch das Kind) ist, umso besser kann er seine Unsicherheit und das defizitäre Selbstkonzept umspielen.
Die Hypersensitivität des Moro-Reflexes kann sich in Abschotten und Ausblenden von Reizen umwandeln. Nimmt das Kind noch jedes Knistern und jeden Schatten wahr und ist deshalb ständig abgelenkt, überreizt und stimulusgebunden, kann es sein, dass das erwachsene Gehirn gelernt hat, einen Teil der Reize auszublenden. So fällt es dem Moro-Erwachsenen schwer sich auf mehrere Dinge zu konzentrieren, er nimmt Situationen nur eingeschränkt wahr, so dass er Dinge übersieht und es ihm nicht möglich ist in komplexen Situationen den Überblick herzustellen.
Manch ein hochintelligenter Mensch bleibt weit unter seinen Möglichkeiten, weil er schnell überfordert ist und deshalb die einfachere, überschaubare Tätigkeit wählt.
Im Team zu arbeiten kann fast unerträglich für mache "Moro-Erwachsene" sein. Die Anforderungen der Teamkollegen, die er ja möglicherweise noch deutlicher wahrnimmt, als seine Mitarbeiter, setzen ihn so unter Druck, dass er wiederum Lösungen finden muss, damit zurecht zu kommen. Lösungen sind das Ausweichen (FPR-Komponente), die Manipulation und der Versuch Situationen zu dominieren (Moro-Anteil). Es bleibt die unausgesprochene oder auch formulierte Forderung, sich seinem Arbeitsstil anzupassen.
"Elegante" Lösungen für das Erwerbsleben ist die Arbeit allein oder Tätigkeiten mit Kindern oder Menschen, die seiner Hilfe bedürfen oder die Selbstständigkeit.
Trotzdem ist die immer vorhandene Unsicherheit oft quälend. Sensibel und gefühlvoll erlebt sich die Person in vielen Situationen überfordert. Manchmal ist es dem Menschen unmöglich adäquate Verhaltensmuster im Umgang mit Menschen auszubilden. So entstehen Missverständnisse, die das leidende Selbstwertgefühl noch schwächer machen.
Der Tonische Labyrinth-Reflex macht vielen Menschen ebenfalls das Leben schwer. Die schon beschriebenen Probleme rund um das Gleichgewichtssystem verhindern die Ausgestaltung der eigenen Mitte. Innere und äußere Balance werden als unzureichend erlebt. Die Person ruht nicht in sich selbst, ist eher unsicher, findet schlecht adäquate Verhaltensmuster und hat nicht viel Selbstvertrauen. Das Gleichgewicht ist nicht sehr gut, deshalb ist auch oft die Koordination betroffen sowie das Raumgefühl und die Orientierung.
Wenn Sie Fragen haben, können Sie sich gerne an mich wenden:
Inge Moshashai, inge.mo@freenet.de